Sinn und Zweck

Diese Seite soll es dem Leser ermöglichen, einen Einblick in die Ernährungsthematik zu gewinnen. Ziel ist es dabei nicht, jemanden dazu zu bringen, bestimmte moralische Ansichten im Bezug auf das Thema zu teilen, sondern zu ermöglichen, sich die Themen so zu erschließen, als hätte man sie selbst recherchiert - ohne äußere Einflüsse und insbesondere ohne Einwirkung durch Medien.

Um dies zu ermöglichen, folgt diese Seite einer bestimmten Struktur. Zunächst muss geklärt werden, welche verschiedenen Ernährungsformen überhaupt existieren. Dabei können wir nicht auf jede einzelne Form eingehen, versuchen aber dennoch eine weite Fläche der möglichen Ernährungstypen zu beleuchten. Die Literarische Grundlage bildet dabei das Werk "Anständig Essen" von Karen Duve.

Nachdem eine gemeinsame Grundlage geschaffen wurde, gilt es einen Blick darauf zu werfen, wie diese Themen in den Medien behandelt und präsentiert werden. Dazu analysieren wir Beispiele aus den Medien Musik und Fernsehen. Dies soll den Leser befähigen, etwaige Manipulation oder Beeinflussung durch die Medien zu durchblicken und ihm somit zu ermöglichen objektiv zu urteilen und seine eigene Meinung zum Thema frei zu entwickeln.

Grundlagen schaffen

Wir wollen uns von nun an auf vier verschiedene Ernährungsformen konzentrieren. Obgleich viele diese Positionen bereits zu kennen glauben, halten wir es für unumgänglich, sie einmal genau zu erfassen. Wir werden im späteren Verlauf immer wieder auf diese Grundstruktur zurückgreifen und davon profitieren.

Aufgabe:

Finden Sie sich in vier Gruppen zusammen. Jeder Gruppe wird eine Ernährungsform zugewiesen. Arbeiten Sie für Ihr Thema die Ernährungsbedingungen, die Problematiken und die Auswirkungen auf den Alltag heraus und halten Sie ihre Ergebnisse in einer Mindmap oder einem Placemats fest.
Optional: Sollte das Werk "Anständig Essen" von Karen Duve schon als Textgrundlagen vorhanden sein, achten Sie außerdem auf die literarische Inszenierung der jeweiligen Ernährungsform.

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Bio / Öko

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Vegetarisch

33

Vegan

44

Frutarisch

Lösungen

1Bio
Ernährungsbedingungen:
Meist werden ausschließlich Lebensmittel mit EU Bio-Siegel gegessen, oder solche, bei denen die Herkunft und Produktionsbedingungen bekannt sind. Darunter fallen natürlich verstärkt Lebensmittel aus dem Biomarkt, regionale Produkte oder sogar Lebensmittel aus eigenem Anbau.

Problematiken:
- Nicht von überall ist ein Biomarkt gut zu erreichen und normale Märkte haben nur wenige Bioprodukte
- Je nach Produkt existiert oft nur eine geringe Auswahl.
- Es entstehen vergleichsweise hohe Kosten.
- Es ist nicht bewiesen, dass Bio wirklich gesünder ist.
- Spezielle Bioprodukte sind zum Teil unappetitlich (z.B. Cola oder Käse).

Inszenierung:
Duves Einstellung verändert sich in dieser Phase von negativ zu positiv - allerdings finden vermehrt Stimmungseinbrüche statt. Der Leser begleitet sie bspw. beim Einkauf sehr genau und kann die Umstellung der Ernährungsform mitverfolgen.
2Vegetarisch
Ernährungsbedingungen:
Der größte Teil der Vegetarier definiert sich dadurch, dass sie kein Fleisch und kein Fisch essen. Es gibt natürlich Untergruppen, die bspw. aus Gründen der ausgewogeneren Ernährung Fisch essen (Pescetarier), aber wir beschäftigen uns mit der Hauptgruppe.

Problematiken:
- Kein Fleisch mehr zu essen bedeutet eine starke Umgewöhnung.
- Es muss darauf geachtet werden, dass man alle nötigen Nährstoffe zu sich nimmt, wenn man auf Fleisch und Fisch verzichtet.
- Der Verzicht auf Fleisch und Fisch fällt vielen sehr schwer.
- Müssen auch Haustiere vegetarisch leben und wenn ja, können sie das?

Inszenierung:
Es wird stark an das moralische Pflichtgefühl appelliert: Wie rechtfertigen wir, dass Menschen auf der Welt an Hunger leiden und sterben und zeitgleich so viel Nahrung produziert wird, dass wir eigentlich alle Menschen ernähren könnten? Wir verfüttern die Nahrung stattdessen an Tiere, um Fleisch essen zu können, wofür letztendlich nicht nur Tiere, sondern indirekt auch Menschen sterben. Duve führt hierzu eine hitzige Debatte mit ihrem Schwager, dem Landwirtschaftsminister.
3Vegan
Ernährungsbedingungen:
Als Veganer bezeichnen sich Menschen, die keinerlei Tierprodukte zu sich nehmen. Damit ist gemeint, dass sie weder das Fleisch der Tiere essen, noch Produkte, die mit Hilfe dieses Tieres hergestellt werden. Darunter fallen z.B. Milch und alle Arten von Milchprodukten, wie auch Leder-, Fell- und Daunenprodukte.

Problematiken:
- Beim Einkauf ist es oft nur sehr schwer, bzw. teilweise überhaupt nicht ersichtlich, welche Produkte vegan sind und welche nicht. Es gehört dann oft viel Zusatzwissen dazu, um korrekt entscheiden zu können.
- Bei absoluter Konsequenz ist man gezwungen viele Dinge aus dem alltäglichen Leben zu ersetzen.
- Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass man alle nötigen Nährstoffe zu sich nimmt, wenn man auf Fleisch, Fisch und alle anderen Tierprodukte verzichtet
- Der Verzicht fällt vielen sehr schwer
- Müssen auch Haustiere vegan leben und wenn ja, können sie das?
- In unserer heutigen Gesellschaft muss man sich oft für seine Ernährungsform rechtfertigen. Je strikter man Grenzen zieht, desto mehr Vorurteile kommen auf und mehr Rechtfertigung wird nötig.

Inszenierung:
Durch das ständige Diskutieren mit ihrer Mitbewohnerin wird der moralische Aspekt immer wieder aufgeworfen. Der Mensch wird mittlerweile schon mit dem Tier gleichgestellt und man wird oft aufgefordert die Perspektive in die eines Tieres zu wechseln. Es werden immer wieder Einschübe zu Naturkatastrophen geliefert und Duve lässt den Leser viel an ihren Gedanken- und Argumentationsgängen teilnehmen. Sie schildert die moralisch etwas umstrittene Hühnerbefreiung und beschäftigt sich mit der Frage nach den Vorurteilen, die sich gegenüber Veganern verfestigt haben sowie mit der Suche nach Ersatzprodukten.
4Frutarisch
Ernährungsbedingungen:
Frutarische Ernährung sieht vor, dass man nicht nur darauf achtet keine Tiere zu verletzen oder zu missbrauchen, sondern auch keine Pflanzen. Frutarier essen somit nur Teile von Pflanzen, die das töten der Pflanze nicht erfordern.

Problematiken:
- Es ist fast unmöglich auszuschließen, dass einer Pflanze kein Leid zugefügt wurde, wenn man bspw. Obst oder Gemüse kauft. Nur beim eigenen Anbau kann man dessen sicher sein.
- Man kann kaum noch Medikamente zu sich nehmen, weil durch Tests und Versuche Pflanzen und Tiere leiden.
- Mangelerscheinungen sind nicht unüblich, da viele Nahrungsmittel, die bspw. Vegetarier als Ersatz für Fleisch zu sich nehmen, nicht mehr in Frage kommen.
- Die Umstellung zum Frutarismus stellt eine massive Umgewöhnung dar.
- Es ist unklar, ob ich bspw. meine Hecke schneiden, oder meinen Rasen mähen darf.

Inszenierung:
Diese Ernährungsform stellt die höchste Form der Radikalität dar, die Duve in ihrem Selbstversuch testet. Sie setzt sich klar und deutlich von anderen ab und ist moralisch kaum noch zu toppen. Auf Dauer spürt man, dass sich Unzufriedenheit auf Grund des Verzichts ausbreitet. Den Höhepunkt bildet der "Pflanzenemotionstest".

Ernährung in den Medien

Wir alle sind betroffen

Ernährung ist ein Thema, das uns alle etwas angeht. Manche Menschen beschäftigen sich jeden Tag mir der Frage, ob sie sich richtig ernähren oder nicht und andere essen einfach das, worauf sie Lust haben. Wir sind alle unterschiedlich, haben verschiedene Hintergründe, die uns beeinflussen, haben verschiedene moralische Auffassungen und verschiedene Charaktere. Jedoch kommt bei jedem von uns irgendwann einmal der Moment im Leben, an dem wir mit einer Frage über unsere eigene Ernährungsform konfrontiert werden. Sei es durch einen Freund oder Bekannten, der uns darauf anspricht oder seine eigene Ernährungsweise gerade umstellt, oder durch die Medien, die einen neuen Ernährungsskandal aufdecken oder uns durch Werbung beeinflussen. Sogar in unseren Lieblingsbüchern, Filmen oder Serien wird das Thema verpackt und behandelt. Deshalb sollten wir anfangen uns eine eigene Meinung zu bilden, objektiv zu entscheiden und für uns selbst abstecken, wie weit wir unser Verhalten gegenüber uns selbst rechtfertigen können.
Die folgende Tabelle soll uns eine Übersicht darüber liefern, wie die Ernährungsformen in Deutschland momentan verteilt sind. So erhalten wir genauere Informationen über Zielgruppen der Medien und deren Wachstum. Da die Zahl der Frutarier verschwindend gering ist und die Menschen, die unter die Ernährungsweise "Bio / Öko" fallen statistisch nur sehr schwer von denen zu trennen sind, die kein Wert auf Bio legen, unterteilen wir die Auflistung in Vegetarier, Veganer und den Rest der Bevölkerung.

Vegetarier und Veganer in Deutschland

Jahr Vegetarier Veganer Restliche Bevölkerung
2012 7,12 Mio 6,60 Mio 66,80 Mio
2013 7,5 Mio 6,88 Mio 66,39 Mio
2014 5,31 Mio 7,75 Mio 68,14 Mio
2015 5,36 Mio 8,13 Mio 68,01 Mio

Die Daten sind errechnet aus der Einwohnerzahl laut statistischem Bundesamt 2012 - 2015 und den Angaben des deutschen Statistik Portal Statistia bezogen auf die Statistik über die Anzahl der Leute, die sich selbst als Vegetarier bzw. Veganer bezeichnen.


Was bedeutet das?

Wie man an der Tabelle erkennen kann, gibt es Vegetarier und Veganer in Deutschland nicht erst seit gestern. Es ist ein kontinuierlicher Wachstum der Veganer zu verzeichnen und mit der Ausnahme des Einbruchs zum Jahr 2014 steigt auch die Zahl der Vegetarier stetig an. Warum in 2014 ein so starker Einbruch stattgefunden hat ist nicht eindeutig zu klären. Es könnte mit dem deutlichen Zuwachs der Veganer zu tun haben - viele Vegetarier könnten also Veganer geworden sein - aber das ist nur eine Vermutung. Fest steht, dass ca 18% der deutschen Bevölkerung bereits vegetarisch oder vegan leben und die Relevanz des Themas daher nicht mehr von der Hand zu weisen ist. Mit der Zunahme der Vegetarier und Veganer wurde das Thema auch in den Medien häufiger aufgenommen. Wie genau die Medien das Thema diskutieren und damit Einflüsse ausüben, werden wir nun anhand einiger Beispiele analysieren.

Ca. 4 von 5 Personen in Deutschland sind weder Veganer, noch Vegetarier

1. Medienanalyse


Dokumentation

Die folgende Dokumentation ist ein musterhaftes Beispiel für eine Situation aus dem alltäglichen Leben. Um möglichst neutral in die Analyse einsteigen zu können, müssen wir vorher folgende Aufgabe bearbeiten, um ein Meinungsbild zu erstellen:

Aufgabe 1:

Denken Sie, dass es für jede Altersgruppe möglich ist, sich vegan zu ernähren? Begründen Sie ihre Ausführungen.

Aufgabe 2:

Ist es Ihrer Meinung nach möglich und richtig, ein Kind von Geburt an vegan zu ernähren? Diskutieren Sie im Plenum.


Teil 1

Das folgende Video zeigt eine Dokumentation über eine junge Frau, die ihr Kind von Geburt an vegan ernährt. Die Reportage ist in zwei Hälften geteilt. Zunächst wird über das Kind und seinen Alltag berichtet, anschließend wird das Fallbeispiel von einem Arzt ausgewertet. Bitte sehen Sie sich zunächst den ersten Teil des Videos an und bearbeiten Sie anschließend Frage 1 bis Frage 5.

Frage 1:

Was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie hören, dass ein zweijähriges Kind schon von Geburt an vegan ernährt wird?

Frage 2:

Welche Wertungen werden im Bezug auf die Ernährungsform von den verschiedenen Personen im ersten Teil der Dokumentation eingebracht?

Frage 3:

Ist es richtig einem Kind aus moralischen Gründen eine Ernährungsform vorzuschreiben?

Frage 4:

Wie beeinflusst die vegane Ernährung das Leben des Kindes?

Frage 5:

Achten Sie bei der Analyse auf Kameraperspektive, Vertonung, Wahl der Hintergründe, Schnitt und Figurendarstellung der Dokumentation.


Teil 2

Der zweite Teil der Dokumentation besteht in der Auswertung des Fallbeispiels durch einen Allgemeinmediziner. Analysieren Sie das Interview zwischen der Reporterin und dem Arzt in Bezug auf Frage 6 bis Frage 10.

Frage 6:

Wie bewertet der Allgemeinmediziner Stellas Situation?

Frage 7:

Was genau ist mit Zivilisationserkrankungen gemeint und worin bestehen ihre Ursachen?

Frage 8:

Was muss man beachten, wenn man Veganer werden möchte?

Frage 9:

Wie haben die Aussagen des Arztes Ihre Ansichten über Veganismus beeinflusst? Halten Sie weiterhin an ihren ersten Gedanken und Meinungen aus Frage 1 fest?

Frage 10:

Ist die Reportage im allgemeinen pro, kontra oder neutral gegenüber einer bestimmten Ernährungsform zu bewerten?

1Lösungen und Kommentar
Die vorliegende Dokumentation der Lokalzeit Münsterland über vegane Ernährung bei Kindern ist aufgeteilt in zwei Abschnitte. Im ersten Teil wird der Alltag eines zweijährigen Kindes dokumentiert, das von seiner Mutter bereits seit der Geburt vegan ernährt wird.
Grob kann man festhalten, dass das Vorhaben der Mutter bei den Zuschauern zwei verschiedene Reaktionen hervorruft. Entweder reagieren die Menschen positiv auf das Fallbeispiel, da sie die Ernährungsform Veganismus befürworten, oder sie reagieren negativ, aus Angst um das Wohlergehen des Kindes. Die Gedanken zum einleitenden Abschnitt der Dokumentation sind von der Grundeinstellung und dem Kenntnisstand der Betrachter abhängig und somit vorbelastet und eben nicht so neutral, wie es erscheinen mag. Ein Veganer wird natürlich nie so kritisch auf das Fallbeispiel reagieren, wie jemand der dem Veganismus mit Vorbehalten gegenübersteht.

Durch die Allgegenwärtigkeit des Themas hat jeder eine eigene Position pro oder kontra gegenüber verschiedener Ernährungsformen. Selbst innerhalb der Reportage finden wir noch bevor die Moderatorin das Video abspielen lässt einen wertenden Kommentar: "...die es seit Anfang des Jahres schafft: Ernährung ohne Tierische Lebensmittel, auch bei der Kleinsten." Diese Aussage suggeriert offensichtlich, dass "es zu schaffen sich vegan zu ernähren" erstrebenswert ist. Auch bei der Ausblendung des Videos kommentiert die Moderatorin:" Nachahmung empfehlenswert." Sie bezieht mit diesen zwei Aussagen eindeutig die Position pro Veganismus. Die Position und Wertung der Mutter ist selbstverständlich offensichtlich, da sie den Anstoß für Stellas vegane Ernährung gibt. Die Betreuerin der KiTa und die Kommentatorin des Videos halten ihr Urteil weitestgehend zurück. Sie beschreiben lediglich Stellas Situation und verweisen darauf, dass sie keinerlei Probleme für Stellas gesundheitliche und soziale Entwicklung beobachten können.

Zur Frage ob es richtig ist, einem Kind eine Ernährungsform vorzuschreiben, findet man vor allem Argumente, die für die Autonomie des Kindes sprechen und zu suggerieren scheinen, es wäre unverantwortlich dem Kind bestimmte Nahrung vorzuenthalten. Dabei werden gesundheitliche Aspekte allerdings nur zweitrangig berücksichtigt. Was jedoch nicht bedacht wird ist, dass auch die "normale" Ernährung, also Ernährung mit Einkauf im Discounter oder im regulären Supermarkt inklusive Fleisch, Fisch und anderer Tierprodukte eine Ernährungsform darstellt, die man Kindern vermittelt und die Vorschriften enthält. Das Problem liegt also scheinbar nicht bei der Einschränkung der Autonomie des Kindes, denn in jedem Fall schreiben Eltern ihrem Kind vor, was es essen darf und was nicht. Kein Kind darf alles essen, nach dem es verlangt. Es scheint so zu sein, als läge das Problem darin, dem Kind eine bestimmte Ernährungsform, nämlich den Veganismus oder Vegetarismus, vorzuschreiben. Ob und wie stichhaltig die Argumente dann noch sind, bleibt zu überprüfen.

Insgesamt scheint Stella, zumindest hinsichtlich dessen, was wir aus diesem relativ kurzen Einblick in ihr Leben erkennen konnten, ein aufgewecktes, gesundes und lebensfrohes Kind zu sein. Äußerlich scheint die vegane Ernährung sie also nicht negativ zu beeinflussen. Von einer besonders positiven Beeinflussung durch die Ernährung kann, mit den vorhandenen Informationen, allerdings auch nicht die Rede sein. Bei genauerem Hinsehen fallen aber Hinweise dafür auf, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, Stella wie jedes andere Kind in die KiTa zu schicken. Die Betreuerin äußert im Interview bspw., dass Stellas Eltern dem Kind täglich Gemüse und Sojamilch mitgeben müssen, da der Kindergarten eine vegane Versorgung offensichtlich nicht gewährleisten kann. Dies verwundert jedoch, angesichts der Tatsache, dass es, nach Rücksprache mit örtlichen Kindertagesstätten, völlig normal ist, Ernährungsalternativen aktiv zu unterstützen, sofern sie religiös motiviert sind. Kinder die religionsbedingt bspw. bestimmte Fleischsorten nicht essen dürfen, werden mit einem alternativen Gericht versorgt. Auf vegane Ernährung hingegen wird jedoch keinerlei Rücksicht genommen. Wir erkennen daraus, dass auf Ernährung, die aus ethischen Gründen abweicht, nur dann Rücksicht genommen wird, wenn sie religiös begründet wird. Somit scheint durchaus eine Beeinträchtigung für Stella vorzuliegen, denn für sie müssen von ihrer Mutter immer gesonderte Mahlzeiten zur Verfügung gestellt werden. Auf lange Sicht könnte dies auch soziale Konsequenzen nach sich ziehen.

Zum Abschluss des Ersten Teils ist die Aussage der Mutter: "Stella solle durch die vegane Ernährung lernen den Tieren gegenüber Mitgefühl zu entwickeln" hervorzuheben. Was suggeriert diese Aussage? Es klingt so als würde die vegane Ernährung darüber entscheiden, ob ein Kind Mitgefühl für Tiere entwickelt oder nicht. Wir möchten an dieser Stelle lediglich hervorheben, dass Menschen immer Mitgefühl für Tiere entwickeln können und Veganismus nicht einmal ein Garant dafür ist, dass Menschen überhaupt Mitgefühl entwickeln. Es ist sicher, dass es auf der Welt Menschen gibt, die mehr Mitgefühl für Tiere besitzen als bestimmte Veganer, obwohl sie regelmäßig Fleisch konsumieren. Die Formulierung erscheint daher nicht gut durchdacht.


Im zweiten Teil der Reportage wird der Bericht über Stella von einem Allgemeinmediziner ausgewertet und kommentiert. Er bewertet das Fallbeispiel ausschließlich positiv. Die einzige Möglichkeit einen negativen Aspekt in der Aussage des Arztes zu erkennen besteht darin aus der Aussage, dass vegane Ernährung sehr vielfältig sein soll, herauszulesen, dass man gesundheitliche Probleme bekommt, wenn sie nicht vielfältig genug ist.

Er spricht sogar an, dass vegane Ernährung gesünder sei, als andere Ernährungsformen, was sich in der Vermeidung von Zivilisationskrankheiten wie bspw. Diabetes manifestiert. Diese Aussage müssen wir allerdings kritisch hinterfragen, denn wer schon versucht hat sich vegan zu ernähren, weiß sehr genau, wie viele Nahrungsmittel es gibt, die zwar vegan aber dennoch mehr als ungesund sind. Darunter fallen sämtliche Arten von Chips, verschiedene Süßigkeiten, Gebäcke, Kuchen und ähnliche Produkte. Die indirekte Aussage des Arztes, wer sich vegan ernährt ernährt sich gesund, ist unbestreitbar falsch. Der logische Schluss der dem zugrunde liegt, kann nicht funktionieren. Ein Beispiel dafür wäre ein Veganer, der sich lediglich von Chips, Süßigkeiten und anderen fett- bzw. zuckerhaltigen Produkten ernährt. Somit ist auch eindeutig klar, dass Veganismus nicht automatisch Zivilisationskrankheiten verhindert. Eine verantwortungsvolle vegane Ernährung verhindert selbstverständlich die meisten solcher Zivilisationskrankheiten, aber das tut auch eine normale Ernährungsform, sofern sie verantwortungsvoll praktiziert wird. Dass auch eine andere gesundheitsorientierte Ernährung die selben Vorteile bietet wird an dieser Stelle der Dokumentation schlichtweg unterschlagen. Wir erkennen also bereits hier, wie wichtig es ist, selbst die Aussagen eines Allgemeinmediziners zu reflektieren.

Im weiteren Verlauf werden die wichtigsten Punkte genannt, die für eine ausgewogene vegane Ernährung maßgeblich sind. Man kann zusammenfassen sagen, dass viel intensive Beschäftigung nötig ist, um sich in das vegane Leben ein zu lernen. Veganer werden sei mit Aufwand verbunden. Genau betrachtet trifft dies jedoch wiederum nicht nur auf Veganer, sondern auf alle Menschen zu, die sich verantwortungsvoll ernähren. Erneut werden hier wieder nicht alle Aspekte angesprochen und Veganismus wird mit gesunder Ernährung gleichgesetzt.


Die Tatsache, dass Informationen nicht angemessen differenziert werden und man Dinge verallgemeinert, um am Ende ein positives Bild gezeichnet zu haben, lässt an der Professionalität der Sendung zweifeln. Die Kritik an dieser Sendung soll dabei keine Kritik am Veganismus sein, sondern lediglich an der medialen und sachlichen Verarbeitung des Themas in dieser Dokumentation. In dem Moment, in dem die Verantwortlichen bewusst bestimmte Aspekte vorenthalten, wird ein deutlicher Einfluss auf die Rezipienten ausgeübt. Bei einer sachlichen Dokumentation, deren eigentliche Aufgaben darin besteht objektiv und neutral über einen Sachverhalt zu informieren und ihrer Zielgruppe selbst zu überlassen, wie sie diese Fakten interpretiert, scheint eine solche Vorgehensweise fehl am Platz. Wir schließen daraus: nicht nur in offensichtlich unsachlichen Filmen, Serien oder Magazinen, sondern sogar in vermeintlich seriösen und verlässlichen Mediengruppen werden starke Einflüsse auf die Zuschauer ausgeübt. Daher ist es um so wichtiger, die erhaltenen Einflüsse zu filtern und zu reflektieren, um sich anschließend ein tatsächlich eigenes Bild der Situation machen zu können.

2. Medienanalyse

Nun folgt ein weiteres Medium, das wir auf seine Wirkung und Sachlichkeit analysieren wollen. Es handelt sich im Folgenden um ein Lied der Prinzen, dass sich an unser Thema anlehnt. Dieses Mal werden keinerlei Leitfragen mehr gestellt, um das Medium zu analysieren. Stattdessen können Sie sich auf die folgenden Tipps beziehen, die unser Vorgehen bei der letzten Analyse grob zusammenfassen. Es handelt sich dabei nicht um den formgerechten Ablauf einer solchen Analyse, sondern um eine Denkstütze, denn es geht in diesem Projekt vor allem darum, dem Leser näher zu bringen, wie man im Alltag mit dem Einfluss durch Medien im Bezug auf das Thema Ernährung umgeht und nicht darum wissenschaftlich formgerechte Analysefähigkeiten zu vermitteln.
Songtext
1 Ich gab dir einen Namen
2 Und wir schmusten wie verrückt
3 Wenn Damen zu mir kamen
4 Warn sie von dir ganz entzückt
5 Für mich war immer sonnenklar,
6 dass ich zu dir gehöre
7 Ich gab dir jeden Tag nen Kuss
8 Und manchmal auch ne Möhre
9 Du süßes kleines Hoppelhäschen
10 Mit dem treuen Blick
11 du kannst Herzen brechen
12 Doch ich brech dir dein Genick

13 Denn du wurdest übermütig
14 Und ich find es wirklich dreist
15 Dass du neuerdings bei mir zu Haus
16 in jede Ecke scheißt
17 Eins hab ich dich so geliebt
18 Doch das habe ich vergessen
19 Jetzt tendier' ich stark dazu
20 Dich gänzlich aufzuessen.
21 Höchstwahrscheinlich ist alles
22 gegen Deinen Willen
23 Doch ich werd' dich trotzdem
24 Heute abend medium grillen

25 Tiere sind zum essen da
26 Das weiß ich ganz genau
27 Obwohl du ein Kaninchen bist,
28 bist du ne arme Sau.
29 Tiere sind zum essen da
30 Das steht schon in der Bibel
31 Ich leg dich ein mit Paprika
32 Und einer halben Zwiebel.

33 Deine Zeit wird kommen
34 Und dich packe ich beim Schopf
35 Mein Hunger wird mir sagen
36 Heute musst du in den Topf
37 Nein du stirbst nicht so wie ich
38 An Herzinfarkt oder Verkalkung
39 Dein Weg endet auf dem Tisch
40 Aus ökologischer Tierhaltung

41 Nein du fällst mir nicht zur Last
42 Dein Leben ist halt so
43 Hätts't du besser aufgepasst
44 dann wärst du jetzt im Zoo

45 Tiere sind zum essen da...

46 Weil ihr nicht auf zwei Beinen geht,
47 sondern auf allen Vieren
48 werd ich euch tranchieren
49 und dann filetieren
50 und kurz vor dem Servieren
51 Werd ich euch flambieren
52 und wenn ein Häppchen übrig bleibt
53 dann werd ich es einfrieren
54 Ich sage allen, die sich stark
55 im Tierschutz engagieren
56 Ich werde die Tieren vorm traktieren
57 gut narkotiesieren

58 Meerschwein, Hamster, Känguruh,
59 das trifft für euch alle zu
60 ich habt uns wirklich viel zu bieten
61 und seid geschmacklich ganz verschieden

Tipps für die Analyse:

1) Achten Sie immer darauf die beschreibende Ebene von der Deutungsebene zu trennen.
2) Versuchen Sie immer den Leitfragen zu folgen, oder sich selbst welche zu stellen.
3) Achten Sie nicht nur auf das gesagte, sondern auch darauf, wie es gesagt wird.
4) Versuchen Sie abschließend ein zu ordnen, wie das zu analysierende Medium im Sachkontext zu interpretieren ist und welche Wertungen und Einflüsse eingebracht werden.

Aufgabe:

Analysieren Sie das vorliegende Lied von den Prinzen mit Hilfe der nebenstehenden Tipps für die Analyse. Diskutieren Sie anschließend ihre Ergebnisse im Plenum, um verschiedene Möglichkeiten der Analyse herauszuarbeiten und zu vergleichen.

Lösung
Das Lied "Tiere sind zum Essen da" von den Prinzen erzählt die Geschichte eines Kaninchenbesitzers, der einen Sinneswandel im Bezug auf den Umgang mit seinem Haustier durchlebt. Adressiert ist es an das Kaninchen und teilweise an die gesamte Tierheit (Z. 1; Z.46;).
Insgesamt ist das Lied stark überspitzt und ironisch gestaltet. Daher ist die Analyse bzw. Interpretation nicht immer eindeutig vorzunehmen. Grundlegend kann man bei den Lyriks dieses Textes zwischen zwei Lesarten unterscheiden: Entweder man Interpretiert den Songtext als Ironischen Protest gegen die Bigotterie der Fleischkonsumenten, oder aber als überspitzte Kontraposition zur Tierrechtsbewegung.
Der Einstieg findet melodisch und freundlich statt und symbiotisiert mit dem Inhalt. Es wird die innige Beziehung zwischen dem Sänger und Besitzer und seinem Kaninchen beschrieben. Das Kaninchen erfreut sich großer Beliebtheit. Am Ende der ersten Strophe tritt allerdings ein unerwarteter Wandel zu Ungunsten des Nagetiers ein (Z.12). Aus der Beliebtheit wird Unmut und Verdruss, weshalb der Besitzer und Sänger entscheidet sich des Nagetiers zu entledigen, indem er es verspeisen will. Die Gründe die er dafür im Verlauf des Liedes angibt, beziehen sich auf die Verschmutzung der Räumlichkeiten durch das Kaninchen. Jedoch bleibt zu bezweifeln, dass das Kaninchen tatsächlich bewusst zu solcher Hybris fähig sein kann. Dies ist eine der Stellen, an denen fraglich ist in welche Richtung die Kritik gemeint sein kann. Es ist plausibler davon auszugehen, dass das Tier lediglich tut was es immer tut und die veränderten Umstände nicht in des Tieres Übermut sondern des Besitzers Überdruss zu finden sind. Anhand des Sinneswandels des Sängers wird ein Dualismus zwischen Haustier und Nutztier entwickelt.

Im Refrain steigt die Geschwindigkeit des Liedes massiv an und die Tonlage wird zunehmend rockiger lebhafter und fröhlicher. Der Kernsatz des Liedes "Tiere sind zum essen da" wird nun mit einer Gewissheit geäußert, an deren Stelle zu Beginn noch Zweifel war. In der vorherigen Strophe wird bspw. noch von Tendenzen gesprochen. Ein weiterer Aspekt an dem die Doppeldeutbarkeit des Liedes deutlich wird, besteht in der Rechtfertigung des Sängers. "Tiere sind zum essen da, das steht schon in der Bibel." Nach diesem Satz reimt der Sänger das Wort "Bibel" auf "Zwiebel" und stellt damit in Frage wie ernst die Begründung gemeint sein kann. So wissen wir auch hier nicht aus welchem Blickwinkel und in welche Richtung das Lied deutet. Nach dem Refrain ist auf den Part hinzuweisen, in dem der Mensch vom Tier durch die Art des Sterbens unterschieden wird. Der Mensch stirbt in diesem Kontext durch Herzinfarkt oder Verkalkung, während das Tier den Tod als Nahrung des Menschen findet und obendrein noch die Schuld für diese Situation zugeschrieben bekommt, da es ja auch hätte in den Zoo gehen können. Der Mensch weist also jegliche Schuld von sich. Das Dasein des Tieres biete nur diese Möglichkeiten, die Dinge seien nun einmal so wie sie gegeben sind (Z. 42).

Zu Beginn der vorletzten Strophe richtet sich der Sänger, wie weiter oben bereits erwähnt, an die gesamte Tierheit. Die Tiere würden nur aus dem Grund gegessen werden, weil sie nicht auf zwei Beinen gehen. Mit anderen Worten weil sie keine Menschen sind und somit auch weniger Wert.

Abschließend wird die ruhigere und melankolische Melodie des Anfangs wieder eingeleitet, der Inhalt jedoch wird nicht wieder an den des Anfangs angeglichen, sondern bildet weiterhin die tierkritische Position ab.


Nun ist dies bei weitem nicht alles was in diesem Medium an betrachtenswerten Informationen zu finden ist, jedoch ist das vorher angekündigte Ziel dieser Aufgabe nicht eine Komplettanalyse, sondern die Schulung der analytischen Kompetenzen und Abstraktion von inobjektiven Informationen. So ist zum Beispiel ad hoc zu erkennen, dass das Lied überzogen ironisch und seine Aussage zweideutig ist. Doch vllt. ist genau diese Dualität, die sowohl eine Interpretation als Pro wie auch Kontra zulässt, das eigentliche Ziel dieses Werks.

3. Medienanalyse

Werbung

Das folgende Video zeigt einen Werbespot eines Fleischproduzenten. Aufgabe ist es die Analyse dieses Werbespots anhand der unten genannten drei Leitfragen durch zu führen. Lassen Sie dabei die analytischen Methoden die sie bei den vorherigen Aufgaben angewendet haben nicht außer Acht.

Frage 1:

Welche Emotionen werden durch die Art der Darstellung oder durch die Musik hervorgerufen?

Frage 2:

Welche Informationen über das Produkt werden vermittelt?

Frage 3:

Warum wird das Produkt gerade in den ausgewählten Situationen gezeigt und wofür stehen diese?

1Lösungen und Kommentar
Diese Werbung wurde für unser Projekt selbstverständlich nicht ganz zufällig ausgesucht. Sie stellt dennoch keine überzogene Hyperbel dar, sondern ist ein gewöhnlicher Werbespott, wie er uns jederzeit im alltäglichen Fernsehprogramm begegnen könnte.
Das Gesamtbild der Werbung ist fröhlich, etwas altertümlich und solide, hell und harmonisch. Über die gesamte Dauer des Spotts wird angenehm ruhige und klangvolle Hintergrundmusik gespielt, die zur Heiterkeit und Lebenslust anregt. Zunächst eine Kurzbeschreibung zu den einzelnen Szenen:
Zu Beginn sehen wir ein Mädchen, das mit seinem Vater im Wald über dem Feuer grillt - genau wie früher eben. Es wird Feuerholz gesammelt und bei schönem Wetter im Wald gezeltet.
In Szene zwei sehen wir eine glückliche junge Familie. Der Vater hält stolz den Säugling im Arm und kann von der Mutter nur noch glücklicher gemacht werden, indem sie ihm eine Scheibe Wurst zu essen gibt. Der Junge Soldat aus der folgenden Szene bekommt eine Barby in einem Paket geschickt und wird dafür von seinen Kameraden ausgelacht. Als er dann jedoch sieht, dass das Paket auch mit verschiedenen Fleischspezialitäten gefüllt ist zieht sich ein breites Lächeln durch sein Gesicht. In der nächsten Szene werden zwei Kindern, die gemeinsam am Tisch sitzen, Würstchen serviert. Als der kleinere Junge auf den Teller des etwas älteren schaut, scheint der ältere zu verstehen, schneidet ein Stück Fleisch ab und gibt es dem Jüngeren dazu. Der Kleine freut sich über die Extraportion, obwohl beide zu Anfang genau die gleiche Menge auf dem Teller hatten. Als nächstes befinden wir uns in einer Szene, die auf einem Festival oder Konzert zu spielen scheint. Es sind viele junge Leute und Jugendliche zusammen, die in Gruppen auf dem Boden sitzen und Grillen. Ihr Grill ist dabei ein umgedrehter Einkaufswagen. Sie haben eine schöne Zeit. Daraufhin wechselt der Schauplatz erneut und wir blicken durchs Fenster in ein Wohnzimmer, in dem eine Teenagerin neben ihrer Mutter auf der Couch sitzt und weint. Ihr Vater erscheint mit seinem Abendessen aus der Küche und entscheidet sich dazu, ihr seinen Teller mit einem großen, gut angebratenen stück Fleisch zu geben. Damit gelingt es ihm sie wieder zum lächeln zu bringen und scheinbar etwas aufzumuntern. Nun befinden wir uns in einer Bauernhofszene, in der alle gemeinsam draußen an einem Tisch sitzen und essen. Die Oma bringt einen bereits geschnittenen Braten nach Hausmansart zum Tisch. Man sieht einen kleinen Jungen, der ein Stück vom Braten "stibitzt", woraufhin die Großmutter Empörtheit vorspielt. Der Junge verschwindet unter dem Tisch, wo er sich das Fleisch zu Gemüte führt. Man erkennt eindeutig die Zufriedenheit in seinem Gesicht.
Zum Ende des Werbespots hin werden einige der Protagonisten der beschriebenen Szenerien gezeigt, wie sie ihr Fleisch genießen, während eine sanfte Frauenstimme die folgenden Worte spricht: "Das ist gut. Seit 1869. - Bell" Bei dem Wort "Bell" handelt es sich um die Fleischmarke, deren Werbespot wir analysieren und die offenbar seit 1869 besteht und es als Qualitätsmerkmal in der Werbung unterstreicht.
Versuchen wir nun den Werbespot als ganzen zu fassen, fällt stark auf, wie Licht, Musik und Sanftheit der Bilder eine gemeinsame, fast idyllische Welt gezeichnet haben. In den Bildern liegt eine Wärme, die zum Teil durch den Farbton des Lichts, aber auch durch die Gestik, Mimik und den Aufbau der Szenen entsteht. Insgesamt wird dadurch ein Eindruck vermittelt, als seien die glücklichen und guten Momente im Leben an den verzehr von Fleisch gebunden und könnten durch selbes auch katalysiert werden. In den verschiedenen Szenen werden immer andere Fleischprodukte des Herstellers verzehrt. Daher weitet sich das Bild umfassend darauf aus, dass nicht nur ein bestimmtes Fleischprodukt, sondern eben Fleisch generell (solange es qualitativ dem aus dieser Werbung ähnelt) das Genussnahrungsmittel ist, das zum glücklich sein dazu gehört und es auch beflügeln kann. Durch das aufzeigen von völlig verschiedenen Settings, die hauptsächlich zwei Dinge gemeinsam haben - das Fleisch und das glücklich Sein - deckt man ein breites Spektrum an Verbrauchern ab, die sich in verschiedenen Situationen wohlfühlen. Interessant ist, dass in den verschiedenen Szenen Fleisch kaum alleine stand. Es waren oft auch andere Nahrungsmittel dabei, wie z.B. Kartoffeln oder Brot. Dennoch blieb dank der Kameraführung und des Fokus der Schauspieler unser Augenmerk immer auf dem Fleisch beruhen.
Stellen wir nun die verschiedenen Szenen gegenüber, so fällt uns auf, dass es keine Szene ohne junge, jedoch Szenen ohne erwachsene bis ältere Menschen gibt. Gerade Kinder und junge Leute werden angesprochen und ihr Lebensstil wird berücksichtigt. Zugleich scheint nahe zu liegen, dass auch die Erwachseneren durch die Szenen, in denen es um Kleinkinder geht, mit berührt werden. Als Gesamtkonzept lässt die Werbung kaum eine Generation aus, da sie, auch ohne Rentner explizit zu zeigen, das Bild einer Welt zeichnet, wie es Rentnern gefällt - verspielte Kinder, glückliche Jugendliche und das Idyll der Familie.
Wichtig zu erkennen ist auch, dass abgesehen vom Gründungsjahr des Herstellers und dessen Namen, in dieser Werbung keine einzige Information über die beworbenen Produkte vermittelt wird! Das einzige was diese Werbung tatsächlich tut, ist die Produkte mit einem Lebensgefühl in Verbindung zu bringen und zu suggerieren, sie gehören dazu bzw. seien dafür nötig und zwar früher wie auch heute. Nirgendwo im Video ist ein eindeutiger Hinweis darauf zu finden, um welche Zeit es sich genau handelt. Die eindeutige Botschaft: Fleisch gehört dazu, früher, heute und auch in der Zukunft.

Welche Ernährungsform ist die richtige für mich?

Nachdem wir einen Einblick in die verschiedenen Ernährungsarten erhalten haben und anhand von drei Exempeln verschiedene Ebenen von Beeinflussung und Suggestionsmethoden beobachten konnten, wollen wir nun ein Fazit ziehen. Wir haben herausgefunden, dass es viele verschiedene Formen von "Ernährung" gibt. Selbst in den klassischen Gruppen wie "Vegetarier" oder "Veganer" gibt es noch etliche Unterteilungen. So leben bspw. insgesamt ca. 1/5 aller Deutschen schon heute komplett ohne Fleisch auf ihrem Ernährungsplan und die Zahl wächst stetig an. Während jedoch für 4/5 der Deutschen eine Umstellung auf eine fleischlose Ernährung schon einen großen Schritt darstellt, gibt es Menschen, die sich noch weitaus höhere Ziele setzen - unter diese Gruppe fallen bspw. die Frutarier.
Das Thema Ernährung ist in unserem Alltag so fest verankert, dass es uns überall wiederholt begegnet. Die in diesem Projekt verwendeten Medienbeispiele können die immense Ausprägung der Thematik auf unseren Alltag nur basal veranschaulichen und selbst in dieser kleinen Auswahl von Tokens finden wir schon massive Einflüsse wieder. Oft findet Suggestion selbst dort statt, wo wir sie weder vermuten, noch für richtig empfinden würden. Solche unterschwelligen Arten von Beeinflussung sind oft sogar stärker, als offensichtliche.
Was können wir nun aus dem gelernten mitnehmen? Auf jeden Fall ist Ernährung ein Thema, dass uns alle betrifft. Dem entsprechend sollten wir es auch behandeln und uns individuell damit auseinandersetzen. Man kann allerdings scheinbar nicht sagen, dass eine Ernährungsform für alle die richtige ist. Jeder muss einfach für sich selbst entscheiden und damit ist auch wirklich gemeint, dass man das Thema ernst nimmt und reflektiert. Man kann sich dabei, wie wir gesehen haben, scheinbar nicht einfach auf Dokumentationen oder andere Quellen verlassen. Deshalb ist es wichtig im Alltag sowohl offen für neues zu sein, als auch kritisch mit vermeintlichen Fakten umzugehen. Deshalb sollte jeder an dieser Stelle in sich gehen und kritisch hinterfragen wie er sich ernährt, warum er dies tut und ob er damit zufrieden ist und leben kann.

Unbenannt-1

Ich bin

"Normal"

Ich ernähre mich frei von moralischen Einschränkungen und esse Fleisch, Fisch und alles, was ich mag.

1

Ich bin

Bio / Öko

Ich ernähre mich von Produkten mit dem Bio-Siegel oder von Produkten, bei denen ich die Herkunft kenne.

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Ich bin

Vegetarier

Ich esse weder Fleisch noch Fisch oder orientiere mich an einer Untergruppe des Vegetarismus.

3

Ich bin

Veganer

Ich nehme keine Fleisch- und Tierprodukte zu mir und benutze diese auch nicht im Alltag.

4

Ich bin

Frutarier

Ich nehme nur noch Teile von Pflanzen zu mir, die das Töten oder Missbrauchen der Pflanze nicht erfordern.